Epilog
Kunst: „Guck mal, was ich kann!“
Ich: „Pst! Ich kann so nicht arbeiten!“
Akt 1: Vergleich
Mein Blick ist vom Vorübergehn des Lebens
So mürb geworden, dass mich nichts mehr hält.
Mir ist, als ob es tausend bess‘re Leben gäbe,
unter hinter tausend Leben nur eine graue Welt.
Auf dem Tisch ein ganzer Haufen halber Sachen,
alle ander‘n können es besser machen.
Also lass ich‘s lieber bleiben
und fang gar nicht erst an zu schreiben.
Akt 2: Perfektion
Räudig, blöder Spötterfunken,
pocht er mir auf Perfektion,
Ich erspähe treu versunken,
himmlisch Traum von Kreation.
Doch ich zauder, mach mich nieder,
bis der Text sich streng verkeilt.
And‘re Menschen schreiben‘s nieder.
Mein verkrampfter Füller weint.
Schreibversuch Nummero fünfzig,
doch Worte finden, das gelingt nicht.
Die Metrik starr. Der Reim, er hinkt.
Der Cursor blinkt. Die Laune sinkt.
Tippen, löschen, Hirn verfluchen,
skippen, schreiben, Muße suchen.
Kein schöner Satz in dieser Zeit.
Nur schlechte Zeilen weit und breit.
Akt 3: Ablenkung
Es war, als hätt‘ das Lümmeln
den Augenblick besetzt.
Dass der vom Bildschirmschimmer
Vor ihm stumm sitzen müsst.
Der Frust hing wie ein Filter,
Gehirn hat Schicht im Schacht,
Es rauschten laut die Bilder
im Fernseh‘n bis zur Nacht.
Und meine Seele spannte
nicht weit die Flügel aus,
flog nur zur Pixelkante
und blieb allein zu Haus.
Gleich fang ich an, dann wär’s getan.
Ein erster Satz, ein fester Plan.
Der Schreibfluss flowt, ich setz mich ran.
Nur einmal kurz durch Youtube wühlen,
Nur dieses Spiel zu Ende spielen.
Mittagspause (nicht verdient).
Im Internet Zeit weggebeamt.
Aus nur mal kurz wird ganz schön lang.
Doch morgen, morgen fang ich an.
Sprach`s und auch morgen nichts getan.
Schob’s weiter dann nur vor mir her.
Weit weg, hinein ins Nimmermehr.
Akt 4: Pflicht
Fest gemauert in den Werten
Steht die Norm aus Text gebrannt.
Heute muss erledigt werden!
keine Pause, nur gerannt!
Von der Stirne heiß
Rinnen muss der Schweiß,
und die Nervenzellen toben;
denn die Pause ist verschoben.
Der Alltag ruft, nichts ist getan.
Vernunftes Stimme schreit mich an.
„Die Kunst bezahlt die Miete nicht“,
ruft sie, und prompt wird's Hirn mir dicht.
Es lockt die Arbeit, lockt das Geld,
das Handy brummt, der Kaffee fehlt.
Ich putz noch schnell, bügle die Bluse.
Mein Traum verstaubt. Es schläft die Muse.
Akt 5: Urteil
Wer schreibet so spät in der Nacht noch cringe?
Es ist der Hater, der sagt „i bims“
Er will sich laben, kennt kein Erbarm‘,
er preiset den Schwachsinn, macht laut Alarm.
Nicht ein einziger Text erblickt mir das Licht.
Es fließet kein Wort. Denn der Zweifler, er spricht.
Mein Dichten missfällt, fremdes Auge ersticht’s
mit dem Urteil, das fällt. Ich zeig’s lieber nicht.
Akt 6: Angst
Die Angst ist angegangen,
Die ollen Herzlein bangen,
am Himmel prangt Gefahr:
Sie krallt sich fest und greifet,
und mit Gedanken schneidet
sie heiße Narben, Wundenschar.
Was soll‘n mir meine Rippen nützen?
Sie könn‘ mein Dichterherz nicht schützen.
Den Todesstoß setzt’s innendrin,
weil ich mir selbst ein Monster bin.
Angst essen meine Reime auf.
Ich schaff das nicht. Ich hab’s nicht drauf.
Akt 7: Plagiat
Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegenden Akte mit sinngemäß und wörtlich übernommenen Textstellen aus fremden Quellen verfasst habe.
Finale Kapitulation.
Grabstein meiner Inspiration.
Hier ruht der Tod meiner eigenen Stimme.
Kein Scheinwerferlicht. Nur kleines Geglimme.
Hier liegt, was nie das Licht erblickte:
Ein Text, der nie die Welt entzückte.
Doch unter Schutt und Selbstbetrug
keimt noch ein letzter Atemzug.
Zu schreiben, dass ich nicht mehr schreib:
Ein kleines Schwarz auf Weiß, das bleibt.