Kaputt
Es tut dir leid, dass es heute nicht geht,
dass unser Treffen nun doch nicht mehr steht.
Ja na klar, ich hätte richtig Lust
auf ein Käffchen mit dir, dann da stillen wir unseren Durst
nach Geschichten weit weg von dem Krankheitsfrust.
Aber ich weiß doch, dass du dich schonen musst.
Du entschuldigst dich also, weil du das Richtige tust?
Du erklärst mir: Du magst nicht, dass Wichtiges ruht
und du fühlst dich nur dann so richtig gut
wenn du irgendwas tust und ständig rotierst.
Du sagst, dass – egal was du gerade probierst –
Du einfach nicht mehr funktionierst.
Ich denke: Nee, ganz im Gegenteil.
Du bist heil!
Allein weil du weißt, dass du kaputt bist,
dass dein Körper eben gerade Schrott ist
und sich das schmerzhaft in deine Seele frisst.
Also wenn alle von dir wollen, dass du jetzt konstant bist,
dich vor sich her hetzen als wenn sie Rassisten und du Asylant bist,
„Weiter, weiter! Sei wie wir! Funktionier endlich, sieh zu!“
Dann sind doch die anderen kaputt, aber nicht du!
Wie soll denn das gehen? „Funktionieren“?
Klingt als hätten wir ein Arsenal aus Schrauben und Scharnieren,
als könnten wir Ecken und Kanten einfach abmontieren,
daran wie Mario und Luigi klempnern und reparieren
und uns am Ende als perfekte Maschinen modellieren.
Nein, wir sind einfach keine Maschinen.
Wir denken ohne Programme und Routinen.
Unser Antrieb sind Herzen und nicht Turbinen.
Unser Baustoff sind Seelen und nicht Platinen.
Ich finde, wir sind eher so eine Legokiste
aus kaputtgespielten Steinen, die man mal tauschen müsste.
Steinchen für Steinchen nur Mängelexemplare,
ein Fundus an lädierter Ausschussware,
voll gebrochener Knochen und grauer Haare.
Selbst in den untersten Ecken dieser Legokiste stecken
nur Steine mit Orangenhaut, Rückenhaar und Leberflecken.
Tja, das sind wir also: Zwei Steckfiguren aus verschlissenen Teilen
in einem klapprigen Gedicht mit beschissenen Zeilen.
Ja, wir haben einen Schaden.
Also komm, lass uns in Stücke brechen.
Aus den Scherben kleben wir mit Achilleskleber dann neue Schwächen
und statt beim Aneinanderrasseln noch mehr zu zerbeulen,
werden sich unsere Defekte perfekt miteinander verkeilen.
Lass uns doch die Scheinwelt da draußen zerdeppern,
sie mit Schmackes wie Porzellan am Polterabend zerscheppen.
Es soll in den Köpfen der anderen dröhnen und sie bedeppern.
Ich will Misstöne und Stolperer wie bei schlechten Rappern.
Hör bitte auf, dich so unnütz zu beeilen,
nur weil andere meinen, es muss funktionieren und schnell heilen.
Ich will mit dir viel lieber noch im Kaputtsein verweilen.