Wir sind wie die Zinnfiguren derer, die vor uns waren,
stehen mit beiden Beinen auf einem Boden aus vor uns gewesenen Namen,
an der Spitze eines Berges aus denen, die vor uns starben
und auch wenn wir uns abtrennen, bleiben uns unter den Fußsohlen Narben.

Wir stehen auf einem Fundament, das sich aus vielen Knochen baut,
aus tausenden Schichten aus altem Knochenstaub,
sind mit Geschichte verwachsen. Sie ist in uns verbaut.
Bausteine aus grauen Bildern aus der Wochenschau,
aus Familienlegenden, gelebter Traditionen und Brauch
und wenn ich selbst ein bisschen krame, ahne ich:
Geschichte, ja das bin ich auch.

Ich hatte noch DDR-Schulbücher mit Panzern und Soldaten drauf
und Panzer und Soldaten in echt kenne ich auch noch zu Hauf,
aber glücklicherweise eben nur aus Friedenszeiten,
während mir Oma und Opa andeuteten, was es heißt, im Krieg zu leiden,
wenn sie erzählten, dass sie Brühwürfel lutschten als Süßigkeiten,
und dass sie Brüder hatten, die für immer verschollen bleiben.

Das war einmal. Doch genau heute passiert das wieder Millionen Leuten,
nur nicht hier. Und ich bin eben eine Zinnfigur, derer die vor mir waren,
bin hier fest gegossen, will im vor mir Gewonnenen verharren.
Ich würde es gern weniger schaffen, immer nur wegzugucken,
mich weniger aus Bequemlichkeit einfach nur wegzuducken,
Aber ich bleibe hier weiter nur als Zinnfigur hocken,
denn bei mir ist's gradso schön warm und trocken.

Kann ich was tun? Nein, ich verharre, denn ich bin doch aus Zinn.
Ich sage nichts und der Kloß im Hals, er gerinnt.